Flexibilität als neue Qualität

Die gbk-Klassifizierung reagiert auf den Trend zur Individualisierung

Mit einem modernisierten Gütezeichen will die Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) bei der Vergabe der Sterne flexibel auf die Innovationen der Bushersteller reagieren, ohne an den Grundfesten einer transparenten und eindeutig definierten Klassifizierung zu rütteln. Und anspruchsvolle Verbraucher können sich beim Buchen einer Reise künftig europaweit am RAL Gütezeichen Buskomfort orientieren.

„Auf Europas Straßen sind immer mehr Busmodelle unterwegs, deren Komfort mit dem traditionellen Sterne-System nur noch unzureichend oder überhaupt nicht mehr beschrieben werden kann“, beobachtet Hermann Meyering. Dazu zählt der gbk-Vorsitzende neben der „2 plus 1“-Bestuhlung und Beinauflagen auch Infotainmentangebote oder eine Ambientebeleuchtung.

Um das hohe Qualitätsniveau dieser innovativen Produkte in einem Gütezeichen abbilden zu können, skizzierte gbk-Vorstand Roland Scharl erste Gedanken zu einem Bewertungsschema auf der Basis eines Kriterienkataloges aus obligatorischen Grundanforderungen und einer Optionsliste. Dabei werden die grundsätzlichen Ausstattungsmerkmale wie Sitzabstand oder Toilette weiterhin als Grundausstattung zu erfüllen sein. Um eine entsprechende Sterne-Klassifizierung zu erhalten, sollen Unternehmen aber künftig aus einem Optionskatalog eine zwingend für die jeweilige Gütestufe zu erfüllende Anzahl von Ausstattungen individuell auswählen können, deren Zahl es noch genau festzulegen gilt. Ob es künftig neben den bisherigen Komfortstufen noch zusätzliche Komfortstufen wie 4-Sterne Plus oder 5-Sterne-Superior geben soll, gilt es ebenfalls zu diskutieren.

„Damit reagieren wir auf die Veränderungen des Marktes, ohne an den Grundfesten unseres Sterne-Systems zu rütteln“, antwortete Meyering auf kritische Stimmen aus dem Publikum, die vor einer Aufweichung der Klassifizierung warnen. Bei nur einer Enthaltung erteilte die Mitgliederversammlung dem Vorstand den Auftrag, die Güte- und Prüfbestimmungen zu überarbeiten und ein ergänzendes Bewertungsschema für Reisebusse zu entwickeln. Eine Arbeitsgruppe, die für interessierte Busunternehmer offen ist, wird bei der nächsten gbk-Mitgliederversammlung das entsprechende Konzept zur Abstimmung vorlegen.

Europaweiter Schutz für die Sterne

Trotz kontroverser Diskussion stimmte die Mitgliederversammlung mit deutlicher Mehrheit für mehr Flexibilität bei den Anforderungen an die Tische im Fünf-Sterne-Bus. Diese müssen in Doppeldeckerbussen nicht mehr von der Neigung der Rückenlehne des davor liegenden Sitzes unabhängig sein, wenn im Unterdeck ein Bistrobereich mit mindestens vier Tischen eingerichtet ist und die Sitzplätze auf dieser Ebene nicht verkauft werden.

Nachdem die gbk-Sterne im vergangenen Jahr beim Amt der Europäischen Union für Geistiges Eigentum als Unionsmarke angemeldet wurden, genießen sie in allen EU-Ländern juristischen Schutz. „Damit haben wir eine solide Basis für die Internationalisierung der Bus-Sterne gelegt“, stellte Hermann Meyering fest. „Und es sind zunächst Busunternehmer aus Österreich, die wir von den Vorteilen einer gbk-Mitgliedschaft überzeugen wollen“, erklärte der gbk-Vorsitzende.

Am Design orientierte Bezeichnung

Der juristische Schutz gilt allerdings nicht für die Bezeichnungen Komfort Class, First Class oder Luxus Class. Deshalb können auch Busunternehmer, die keine Busse bei der gbk klassifiziert haben, mit diesen Begriffen werben. Weshalb die gbk-Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen hat, diese Bezeichnungen aus den Güte- und Prüfbestimmungen zu streichen. Ebenso einstimmig  votierte das Gremium dafür, die Bus-Sterne in Anlehnung an das neue Design der gbk-Plakette als „RAL Gütezeichen Buskomfort“ zu bezeichnen.