240.000 Jobs in Gefahr: Busbranche ruft mit bundesweitem Aktionstag nach Rettungsmaßnahmen

Demos am 27. Mai in Berlin, Düsseldorf, Dresden, Kiel, Mainz, Stuttgart und Wiesbaden

Busreiseveranstalter aus ganz Deutschland gehen am Mittwoch, 27. Mai 2020, für die Zukunft des klimafreundlichen Tourismus auf die Straße. Rund 800 Reisebusse werden als Korsos hupend durch Berlin sowie sechs weitere Städte rollen, um auf die dramatische wirtschaftliche Situation der Branche aufmerksam zu machen. In Folge der Corona-Pandemie wurde der Reisebusverkehr komplett stillgelegt, was Unternehmen 2,3 Millionen Euro pro Tag kostet. Mit ihren Slogans wollen die Demonstranten auch die Bedeutung des Busgewerbes für das gesellschaftliche Leben in den Vordergrund rücken.

„Bundestag ohne Reisebus ist wie Parlament ohne Besucher!“ steht auf dutzenden Bussen, die um das Berliner Regierungsviertel kreisen werden. Die dort arbeitenden Abgeordneten können beim Blick auf diesen Korso auch Botschaften wie „Kultur ohne Reisebus ist wie Künstler ohne Publikum!“ oder „Klimaschutz ohne Reisebus ist wie Klima ohne Schutz!“ lesen. Slogans, mit denen die Busreiseveranstalter auf die Systemrelevanz ihrer Branche aufmerksam machen. Auch in Düsseldorf, Kiel, Mainz, Stuttgart und Wiesbaden beteiligen sich Busunternehmer an diesem bundesweiten Aktionstag, der von den Branchenverbänden organisiert wird.

Karl Hülsmann, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (bdo), verweist auf die wirtschaftliche Bedeutung der Bustouristik, an der direkt und indirekt knapp 240.000 Arbeitsplätze hängen und die jährlich einen Bruttoumsatz von rund 14,3 Milliarden Euro erwirtschaftet. „Der staatlich verordnete Stillstand der Reisebusse kostet täglich 2,3 Millionen Euro“, stellt Hülsmann fest. „Das mittelständische Busgewerbe benötigt daher dringend passgenaue Soforthilfen und keine Kredite. Die Branche kann nicht länger auf versprochene Hilfen warten! Die Politik muss jetzt handeln, bevor es zu spät ist.“

Die zweite zentrale Forderung der Verbände zielt auf einen Neustart nach national und international einheitlichen Regeln. „Der derzeitige Flickenteppich von Lockerungsregelungen für die Reisebusbranche ist eine Zumutung für die Unternehmen und Verbraucher“, gibt Benedikt Esser, Präsident des RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. zu bedenken. Er begründet die Notwendigkeit wirksamer Hilfsprogramme für die Busbranche auch mit deren Relevanz für das gesellschaftliche Leben. „Der Reisebus ermöglicht breiten Bevölkerungsschichten nicht nur vielseitige Urlaubserlebnisse, sondern auch die Teilhabe an Bildung sowie an kulturellen und sportlichen Events.“

Mit Blick auf die geringen Emissionen von Treibhausgasen, mit denen der Reisebus in der Ökobilanz sogar noch besser als die Bahn abschneidet, rückt Hermann Meyering den Beitrag mittelständischer Busunternehmer für einen nachhaltigen Tourismus in den Fokus. „Wenn die Bundesregierung ihre eigenen Zielvorgaben zum Klimaschutz noch ernst nimmt, darf sie dem Untergang der Bustouristik jetzt nicht tatenlos zusehen“, erklärt der Vorsitzende der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk).