Bustouristiker denken neu

Innovative Unternehmer stellten ihre Geschäftsmodelle vor

Der 41. Tag des Bustourismus in Stuttgart belegte, dass nicht nur Start-ups zu neuem Denken fähig sind. Erfolgreiche Reiseveranstalter, die schon lange auf dem Markt sind, präsentierten auf der gemeinsamen Tagung des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) und der Gütegemeinschaft Buskom-fort (gbk) am Dienstag, 14. Januar 2020, innovative Geschäftsmodelle.

170 Besucher folgten der Einladung zum Tag des Bustourismus, der am Rand der Urlaubs-messe CMT unter dem Motto „Innovation statt Resignation: Zukunftsorientierte Geschäfts-modelle für die Bustouristik“ stand. Yvonne Hüneburg betonte in ihrer Begrüßung, dass jeder Reiserveranstalter, der seinen Fuhrpark auf den aktuellen technischen Stand bringt und regelmäßig neue Kataloge auflegt, zu innovativen Unternehmern gehört. Die stellvertretende WBO-Geschäftsführerin kritisierte die „Klientelpolitik“, die den Bahnverkehr mit der Senkung der Mehrwertsteuer protegiere und den umweltfreundlicheren Bus auf dem Abstellgleis parke. „Die Busbranche muss deshalb noch engagierter und lauter werden“, forderte Hüneburg.

Traumurlaub für Individualisten

Weil die Flugreise trotz aller Umweltdebatten zum Megatrend avanciert, löst sich „Der Schmidt“ von der Fixierung auf den Bus. Seit 2015 bietet das Unternehmen auch Vollcharterflüge ab Braunschweig an. Die Kunden werden persönlich betreut und können aus einem großen Hotelportfolio sowie modular buchbaren Erlebnissen auswählen. Ob Badeurlaub mit Kultur oder eine Rundreise mit vielen Besichtigungen: Die Gäste können ihren eigenen Traumurlaub konfigurieren. Unter dem Namen „momento – Reisen für mich“ setzt das Wol-fenbütteler Unternehmen sein Erfolgsmodell ab diesem Jahr mit einer neuen Vertriebsmarke an zehn Flughäfen deutschlandweit um. „An jedem der Flughäfen arbeitet momento mit ei-nem Partnerunternehmen zusammen“, erklärte Philipp Cantauw. „Operation, Marketing und Vertrieb werden mit einer eigenen Software digitalisiert und gebündelt“, berichtete der Geschäftsführer.

Bistrobusse für Genießer

Mit individuell angefertigten Bistrofahrzeugen, die den Gast mit hochwertigen Menüs aus der Bordküche verwöhnen, hat die STEWA Touristik GmbH den Reisebus neu erfunden. Bereits kurz nach der Abreise wird den Passagieren in den Doppeldeckern, die den 5 Sterne Superior Standard erfüllen, ein Frühstück serviert. „Um das wachsende Anspruchsdenken der Kunden im Auge zu behalten, haben wir eine Abteilung für Qualitätsmanagement gegründet“, betonte Peter Steger, der das Unternehmen zusammen mit seiner Frau leitet. Der Reiseveranstalter aus Kleinostheim bringt im Jahr rund 100.000 Gäste an ihr Urlaubsziel. In einem eigenen Café mit Kaminfeuer und dezenter Loungemusik werden die Kunden vor dem Einchecken in Urlaubsstimmung gebracht. Ein Notdienst ist auch für kurzfristige Stornos rund um die Uhr erreichbar, für verspätete Gäste gibt es einen Nachfahrservice. Künftig will das Unternehmen seine rund 300 Mitarbeiter in einer eigenen Akademie qualifizieren.

Digitale Plattform für alle Produkte

Mit mehr als 260 Fahrzeugen befördert Schlienz Tours jährlich mehr als 7,6 Millionen Men-schen. Das breite Angebot des Unternehmens aus Kernen reicht vom Linienverkehr über die klassische Touristik bis zum Eventshuttle und der Mobilität für Rollstuhlfahrer. „Den Standardkunden gibt es nicht, deshalb setzen wir auf differenzierte Angebote“, sagte Geschäftsführer Erhard Kiesel. Über eine digitale Plattform sind die verschiedenen Produkte miteinander vernetzt. Mit speziellen Apps können die Kunden mit dem Unternehmen kommunizieren und werden beispielsweise über die Ankunft ihres gebuchten Fahrzeugs informiert. Firmenkunden verwalten ihre Stammdaten selbst. Kiesel nutzt die EDV auch zur Optimierung be-triebsinterner Verwaltungsabläufe und setzt für die Zukunft auf die Künstliche Intelligenz. Deshalb bestellen seine Kunden ihr Taxi vielleicht schon bald mit einer Google-Software, die menschliche Stimmen imitieren kann.

Partner für den Wettbewerb

Horst Bottenschein erläuterte, welche Vor- und Nachteile die Zusammenarbeit in Kooperationen hat und wie sich die verschiedenen Akteure im Tourismus sinnvoll ergänzen können. Der Busunternehmer aus Ehingen, dessen langjährige Kooperation mit Müller Reisen in Bö-singen seit 2000 als gemeinsame GmbH geführt wird und der im Ausschreibungswettbewerb für den Linienverkehr mit einer Bahntochter zusammenarbeitet, hat die Grenzen des eigenen Unternehmens mit klug gewählten Partnerschaften erweitert. Bottenschein erinnerte seine Zuhörer daran, dass der Erfolg eines Unternehmens nicht in erster Linie von der Qualität technischer Strukturen abhängt. Denn Menschen seien der Motor der Bustouristik. Und die müssen sich gegenseitig vertrauen. „Eine gute Kommunikation ist entscheidend für den Erfolg einer Kooperation“, stellte Bottenschein fest. „Und dabei versuche ich, den Blickwinkel meines Partners zu verstehen.“

Reiseziele für die Bustouristik

„Die präsentierten Beispiele zeigen, dass neue Erfolgsmodelle in der Bustouristik weniger auf einem intuitiven Gespür für die Trends der Zeit sondern eher auf dem Mut zum Experi-ment und der intelligenten Interpretation von Daten aus der Marktforschung basieren“, resü-mierte der gbk-Geschäftsführer Martin Becker in seinem Schlusswort.

Zum Abschluss der Veranstaltung machte Astrid Werner von der BUGA Erfurt den Besu-chern große Lust auf eine Busreise nach Thüringen. Dort erblüht 2021 die Bundesgarten-schau in Erfurt und 27 Außenstandorte laden in attraktive Parkanlagen ein.

Neben Oldtimern und Flugmaschinen macht auch ein begehbares U-Boot den Besuch in den Technik Museen Sinsheim Speyer zum Erlebnis. Stefanie Muhl und Holger Baschleben stell-ten eine neue Halle vor, in der aktuell der Mythos Alfa Romeo zelebriert wird.

Weil die gbk elf Klimazertifikate erworben hat, mit denen ein Forstprojekt in Uruguay unterstützt wird, konnten die Kohlendioxid-Emissionen der Tagung ausgeglichen werden. Peter Fries von Fokus Zukunft überreichte die entsprechende Urkunde an den WBO-Vorsitzenden Klaus Sedelmeier und den gbk-Vorsitzenden Hermann Meyering.