Gutscheine sind eine schlechte Lösung

Die Aushöhlung des Reiserechts bringt Busunternehmer noch stärker in Bedrängnis

Als ob es die Busreiseveranstalter in Zeiten der Corona-Pandemie nicht schon schwer genug hätten, droht ihnen die Politik jetzt auch noch mit der Aushöhlung des Reiserechts. „Die von der Bundesregierung favorisierte Gutscheinlösung für Reiseveranstalter bringt die in Not geratene Busbranche noch stärker in Bedrängnis“, kritisiert der gbk-Vorsitzende Hermann Meyering.

Nach einem aktuellen Beschluss der Bundesregierung verlieren Kunden, die vor dem 8. März 2020 bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, den Anspruch auf Erstattung ihrer finanziellen Vorleistungen. Stattdessen bekommen sie einen Gutschein, der bis zum 31. Dezember 2021 gültig ist. Erst wenn er bis zu diesem Zeitpunkt nicht eingelöst wurde, ist der Wert zu erstatten. „Ich hoffe, dass die EU-Kommission diesen Antrag der Bundesregierung ablehnt“, betont Hermann Meyering. „Denn diese krasse Missachtung des Verbraucherschutzes verletzt die Interessen der mittelständischen Busunternehmer und ihrer Kunden.“

Die deutschen Busunternehmer haben große Summen in Reiseprogramme investiert, die als Folge der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. Auf die Rückzahlung dieser Gelder von Hoteliers und anderen touristischen Leistungsträgern warten sie bis heute vergeblich. „Dieser Missstand soll jetzt durch die Änderung des Reiserechts staatlich legitimiert werden“, stellt Meyering fest.

Busreiseveranstalter haben nicht die Möglichkeit, die Gutscheinlösung auf ihre Endkunden anzuwenden. Denn denen haben sie die Kosten für ihre stornierten Reisen längst zurückgezahlt. Grundsätzlich sind Gutscheine für die Bustouristik nur dann eine Option, wenn sich die Kunden freiwillig dafür entscheiden. Denn die Kunden der Busreiseveranstalter sind überwiegend Verbraucher mit kleinem Geldbeutel, die als Folge von Kurzarbeit und Kündigungen in finanzielle Engpässe geraten. Und Senioren, die zur wichtigsten Zielgruppe der Bustouristik gehören, müssen mit ihrer meist schmalen Rente jetzt häufig ihre Kinder unterstützen. Deshalb sind die Kunden der Busunternehmer darauf angewiesen, ihr Geld für stornierte Reisen zurückzubekommen. „Würden wir sie in dieser schwierigen Situation mit einem Gutschein vertrösten, wäre das gute Image unserer Branche nachhaltig zerstört“, erklärt der gbk-Vorsitzende. „Statt dem Mittelstand in den Rücken zu fallen, sollte die Regierung endlich ihre Versprechen umsetzen und Busunternehmer mit finanzieller Soforthilfe vor dem Ruin retten.“