Ergebnisse der 35. Mitgliederversammlung der gbk

Bratislava im April 2010

Mit der Gründung eines Dachverbands will die gbk eine materielle Fusion mit dem RDA realisieren

Der Weg zu einer materiellen Fusion des Internationalen Bustouristik Verbandes RDA mit der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) führt über eine Brücke: Auf ihrer Mitgliederversammlung in Bratislava hat die gbk am Donnerstag, 22. April, die Konstruktion eines neuen Dachverbandes vorgestellt. Damit hat sie das Tagungsmotto „Perspektiven für ein neues Image: Aufwärts oder weiter so?“ mit einem konkreten Zukunftskonzept beantwortet.

Offiziell eröffnet wurde die gbk-Mitgliederversammlung von Gabriel Kuliffay, Generaldirektor der Sektion Tourismus im slowakischen Wirtschaftsministerium, der sich sehr freute, dass so viele Bus- und Gruppentouristiker der Einladung nach Bratislava gefolgt sind.

 

 

Der Vorstand der gbk will einen starken Branchenverband, der die Vorzüge des Reisebusses als sicheres, komfortables und umweltfreundliches Verkehrsmittel in das Bewusstsein der Verbraucher bringt. „Wir bündeln Energien und Ressourcen, damit die Bustouristik in der Öffentlichkeit den Stellenwert bekommt, der ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entspricht“, betonte der gbk-Vorsitzende in Bratislava. „Im Wettbewerb mit den mächtigen Lobbyisten von Bahn und Flieger muss der Bus mit einer starken Stimme sprechen. Dann wird er von den Medien und der Politik gehört.“

Aus einer intelligenten arbeitsteiligen Struktur resultieren laut Klink konkrete Vorteile für die Mitglieder: „Wir können das Spektrum unserer Angebote erweitern und trotzdem unsere Kosten und damit die Beiträge für unsere Mitglieder reduzieren.“

Klink stellte den Mitgliedern seines Verbandes, der sich zusammen mit dem RDA zu einer zweitägigen Jahreshauptversammlung in der slowakischen Hauptstadt getroffen hat, die Satzung eines neuen Dachverbandes vor. Dessen Vorstand soll sich demnach aus den Vorständen von RDA und gbk zusammen setzen– beide Verbände sind mit jeweils vier Stimmen paritätisch vertreten.



Mit der Gründung eines nicht eingetragenen Vereins, der von RDA und gbk gemeinsam finanziert wird, bauen sich beide Verbände eine juristische Brücke für eine materielle Fusion. Mit dem aktuellen Satzungsentwurf sind RDA und gbk der Vertiefung ihrer strukturellen und institutionellen Zusammenarbeit, die 2007 im „Frankfurter Abkommen“ von den Spitzen beider Verbände vereinbart wurde,  einen großen Schritt näher gekommen. „Dies zeigt deutlich, dass die Vorstände beider Verbände die Fusion wirklich wollen und die Zusammenarbeit beider Geschäftsstellen funktioniert“, freut sich Klink. Wenn die Mitglieder beider Verbände diesem Konzept auf ihrer nächsten Mitgliederversammlung zustimmen, kann der Dachverband bereits im Frühjahr 2011 seine Arbeit aufnehmen. In den Doppeldecker sollen RDA und gbk ihre traditionellen Stärken einbringen. Dazu zählt Klink vor allem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Das Kerngeschäft der gbk, die Klassifizierung, wird auch künftig bei der gbk verbleiben.

Geschäftsführer Martin Becker beleuchtete in seinem Bericht die zahlreichen Aktivitäten des Verbandes im zurückliegenden Jahr. Die gbk steht sowohl betriebswirtschaftlich wie auch seitens der Mitgliederzahlen und der Anzahl der klassifizierten Busse gut da. Zum Ende des Jahres hatte die gbk 520 Mitglieder und ist in der Busverbandslandschaft einer der wenigen Verbände, die in der heutigen Zeit noch Zuwächse bei den Mitgliederzahlen vermelden können. Das Ergebnis ist umso höher einzustufen, wenn man weiß, dass wir uns innerhalb der letzten beiden Jahre nur auf die Akquise von Busunternehmern und Busreiseveranstaltern konzentriert haben.

Die Statistik belegt den Trend zu einer immer höheren Qualität in der Bustouristik: Von den mehr als 1200 Reisebussen, die von der gbk klassifiziert werden, tragen knapp 70 Prozent vier Sterne. Und mit fast 18 Prozent liegen die Fünf-Sterne-Busse mittlerweile um rund fünf Prozent über den Drei-Sterne-Bussen.

Zu den Erfolgen der politischen Lobbyarbeit zählt Klink die Zulassung des Busfernlinienverkehrs in Deutschland. „Damit findet sich eine zentrale Forderung der Branche im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung“, freut sich der gbk-Vorsitzende. Zwar wird der Mittelstand von einem flächendeckenden Fernliniennetz kaum direkt profitieren können. „Doch wenn der Verbraucher künftig eine günstige Alternative zur Bahn bekommt, wird das Image der Busbranche erheblich aufgewertet“, erwartet Klink.

Würde die Bustouristik analog zum Linienverkehr nur noch mit der halben Ökosteuer belastet, könnte die Branche jährlich fast 50 Millionen Euro einsparen, rechnete Klink vor. Dies würde es den Unternehmern leichter machen, in moderne Busse zu investieren, die mindestens die Euro 4 Norm erfüllen. Und sie würden auch dann noch von der reduzierten Ökosteuer profitieren, wenn alle Reisebusse längst die Voraussetzungen für die grüne Plakette erfüllen.  Klink: „Deshalb macht die Forderung nach einer dauerhaften Entlastung für die Branche mehr Sinn, als für Ausnahmegenehmigungen in den Umweltzonen zu kämpfen.“

Michael Göpfarth ist neues Mitglied im gbk-Vorstand
„Wir freuen uns, dass wir mit Michael Göpfarth einen Nachfolger als Obmann des Güteausschusses gefunden haben, der diese Arbeit mit hoher fachlicher Kompetenz weiter führen wird“, betonte Rainer Klink am Donnerstag, 22. April, in Bratislava. „Als Geschäftsführer der EvoBus GmbH Mercedes Benz Omnibusse ist er ein Garant dafür, dass die intensive und kontinuierliche Kommunikation zwischen Herstellern und gbk fortgesetzt wird“, erklärte der gbk-Vorsitzende. Er ist dadurch auch automatisch Mitglied im gbk-Vorstand und Nachfolger von Hans-Joachim Pilz.

Klink bedankte sich bei Hans-Joachim Pilz für die sehr gute Zusammenarbeit im gbk-Vorstand. Der ehemalige Geschäftsführer der MAN Truck & Bus Deutschland GmbH habe wesentlich zu einer konstruktiven und fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Industrie beigetragen.

Klink bedankte sich auch bei Hartin Müller, der nach seinem 15-jährigen Engagement aus dem gbk-Vorstand ausscheidet. Als „individualistischer Querdenker, der die Entwicklungen in der gbk mit wacher und kritischer Stimme kommentiert“, habe er laut Klink zu einer lebendigen Diskussionskultur im Verband beigetragen.

Müller und Pilz werden im Sommer in einem feierlichen Rahmen als gbk-Vorstandsmitglieder verabschiedet.

Der gemeinsame Kongressteil von RDA und gbk am 23. April – zugleich auch das verbindende Element der beiden Mitgliederversammlungen – unter dem Motto „Perspektiven für ein neues Image: Aufwärts oder weiter so?“, wurde eröffnet von Reinhard Wiemer, Geschäftsträger der Bundesrepublik Deutschland in der Slowakei. „Die Aschewolke aus Island ist die beste Werbung für den Bus, jetzt ist klar, dass der Bus jeden Winkel erreicht.“ Marlene Mortler, MdB und tourismuspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag sowie offizielle Vertreterin des Ausschuss für Tourismus des Deutschen Bundestages, überbrachte die Grüße aller Bundestagsabgeordneten. Dr. Svetlana Gaborova, Leiterin der slowakischen Tourismuszentrale, freute sich bei ihrer Begrüßung über die zahlreichen Teilnehmer von RDA und gbk. Durch die Tagung führte wie immer bestens vorbereitet, gut informiert und charmant Gerd Schmitz.

Clemens Sommer, Geschäftsführer der creative analytic 3000 GmbH, analysiert den aktuellen Stand der Imageforschung rund um die Busreise unter dem Titel: Verwandlungspotenzial Aschenputtel. Sommer lobte die Marktforschungsarbeit des RDA, sie sei geradezu vorbildlich. „Sie kennen ihre Zielgruppe,“ so Sommer, „die Zielgruppe kennt aber den Bus nicht unbedingt.“ Dabei seien Busreisen besser als ihr Ruf und dies gelte es zu vermitteln. Anhand aktueller Beispiele zeigte er, wie andere Markenartikler den Imagewandel geschafft haben.

Mit welchen Strategien und Parametern die Slowakei die Grundlagen für eine wirksame Imagekorrektur geschaffen hat, beschrieb Michael Kern, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutsch-Slowakischen IHK. Vor allem Rechtssicherheit war wichtig auf diesem Weg. Ziel ist es, die Slowakei vom sozialistischen Ferienziel zur modernen Urlaubsmarke zu entwickeln. Gerade für die abgelegenen Destinationen in der Slowakei sei der Tourismus und insbesondere die Bustouristik ein Hoffnungsträger. Dies belegten auch die ständig steigenden Gästeankünfte.

Die Wechselwirkung von Images und Reiseverhalten aus der Perspektive des Reiseveranstalterkonzerns Rewe beleuchtete Werner Sülberg, Dertour Bereichsleiter Konzernentwicklung und Marktforschung. Ein Grundproblem der Reiseveranstalter sei die fehlende Angebotsexklusivität. So könnten sich Reiseveranstalter wenig differenzieren. „Die Markenbekanntheit sagt nicht unbedingt etwas aus über die Nutzungsbereitschaft,“ so seine Erkenntnis.

Dr. Hans-Georg Häusel, Vorstand der Gruppe Nymphenburg, klärte über den Mythos des rationalen Kunden auf. Dr. Häusel ist spezialisiert auf Markenstrategie, Neuromarketing sowie psychologische und neurobiologische Grundlagenforschung zum Konsumentenverhalten. „Der Kunde reagiert auf alles, was Emotionen auslöst, dafür sorgen die Emotionssysteme im Gehirn. Ohne Emotionen ist ein Produkt für den Kunden wertlos.“ Wichtig ist aber, dass Emotionen durch Botschaften ausgelöst werden. Dies können Reise-Ideen aber auch Farben, Gerüche, Mitarbeiter, Serviceprozesse und vieles mehr sein. „Nur Botschaften oder Reize entscheiden letztendlich über eine Kaufentscheidung und da wollen Männer und Frauen ganz unterschiedlich angesprochen werden. Die Emotionsfelder haben einen festen Platz im Gehirn“, so Dr. Häusel. „Denken Sie in Zielgruppen und konsistenten Erlebniswelten“, so sein Ratschlag.

Der eloquente Entertainer und promovierte Soziologe Dr. Oliver Tissot belegte, dass Humor und gute Laune Kaufreize auslösen und beim Marketing auf Unterhaltung nicht verzichtet werden sollte. Auch bei seinem Vortrag kamen, zur Freude der Teilnehmer, die kabarettistischen Einlagen nicht zu kurz.

Im Anschluss an die Tagung präsentierte sich Hamburg als nächster Tagungsort der RDA- und gbk-Mitgliederversammlungen, die vom 31. März bis 2./3. April 2011 stattfinden.

Gabriel Kuliffay, Generaldirektor der Sektion Tourismus im slowakischen Wirtschaftsministerium, lud die Anwesenden am 24. April ganztägig zu einem geführten Stadtrundgang in Bratislava mit anschließendem Gänseessen in Slovensky Grob ein. Zahlreiche Teilnehmer wollten allerdings mehr von der Slowakei als “a little big country“ sehen und nahmen vom 24. bis 26. April 2010 an der Nachkongressreise „Slowakische Impressionen“ teil.

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