Fachtagung "Tag des Bustourismus" auf der CMT 2010

Der Bus bringt die Schule in Fahrt

Pädagogen und Reiseveranstalter diskutierten über Klassenfahrten



Schulausflüge mit dem Bus stärken die Klassengemeinschaft. Eines von vielen Argumenten für Schulausflüge mit einem geselligen Verkehrsmittel, die auf dem „Tag des Bustourismus“ am Dienstag, 19. Januar, diskutiert wurden. Auf Einladung des Verbands Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) und der Gütegemeinschaft Buskomfort (gbk) tauschten sich Pädagogen und Reiseveranstalter im Rahmen der CMT in der Neuen Messe Stuttgart über pädagogisch wertvolle Klassenfahrten aus. Und kamen zu dem Ergebnis: Der Bus bringt die Schule in Fahrt. 

„Klassenfahrten bringen Abwechslung in einen schulischen Alltag, der immer stärker von Leistungsdruck und Prüfungsängsten dominiert wird“, erklärte Martin Becker in seiner Einführung in die Veranstaltung, die unter dem Motto „Coole Chauffeure statt strenge Kontrolleure – Klassenfahrten mit dem Bus sind Kult“ stand. Nach Meinung des gbk-Geschäftsführers übernehme die Busbranche deshalb auch gesellschaftliche Verantwortung, „wenn sie mit ihrem Engagement in der Bildungslandschaft positive Impulse setzt“.   

„Fast ein Drittel aller Urlaubsfahrten sind Kinder- und Jugendreisen“, stellte Klaus Gerth fest. „Für dieses Segment haben die Deutschen im Jahr 2008 rund zwölf Milliarden Euro ausgegeben“, betonte der Dozent an der Fachhochschule Heidelberg, der seinen Impulsvortrag mit zahlreichen Statistiken zur demographischen und ökonomischen Entwicklung angereichert hat. Deshalb seien Schulen eine bedeutende Zielgruppe. Um sie erfolgreich anzusprechen, müsse die Branche die Vorteile des Reisebusses als umweltfreundliches und sicheres Verkehrsmittel vermarkten. Gerade vor dem Hintergrund eines steigenden ökologischen Bewusstseins „können Klassenfahrten mit dem Bus tatsächlich Kult werden“, prognostizierte der Wissenschaftler. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion, die von dem Fachjournalisten Lutz Gerritzen moderiert wurde, wurde vor fast 200 Zuhörern vor allem der Beitrag von Klassenfahrten für ein gutes soziales Klima an den Schulen heraus gearbeitet. Norbert Rüschen bevorzugt dabei den Bus. „Weil ich mit meinen Schülern singen kann, ohne andere Reisegäste zu stören“, berichtete der Lehrer an der Johann-Philipp-Palm-Schule in Schorndorf. 

Rüschen: „Cool ist eine Klassenfahrt dann, wenn der Mix aus Bildung und Erholung stimmt.“ 

Um junge Menschen für den Reisebus zu begeistern, setzt Hermann Meyering auch auf Klassenfahrten seine hochwertigen Fünf-Sterne-Fahrzeuge ein. Dank moderner Bordtechnik wie Mikrofonanlage und DVD-Player werde der Bus von den Pädagogen als „mobiles Klassenzimmer“ genutzt, beobachtet der Busreiseveranstalter aus Lingen. Der stellvertretende gbk-Vorsitzende empfiehlt Schülern, Eltern und Lehrern den Klick auf www.klassefährtklasse.de. Denn auf dieser Homepage finden sie zahlreiche Tipps für lehrreiche und unterhaltsame Klassenfahrten. 

„Im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln ist der organisatorische Ablauf einer Klassenfahrt mit dem Bus leichter zu bewältigen“, gab Uwe Bimmler zu bedenken. Gleichzeitig redete der Vertreter vom Landeselternbeirat Baden-Württemberg den Pädagogen, die beim Busunternehmer ein Paket buchen, ins Gewissen: „Sie dürfen Ihre Kompetenz und Verantwortung nicht komplett an den Reiseveranstalter abgeben.“ 

Dass der Reisebus bei den Schulen gut ankommt, spiegelt sich auch in den Zahlen des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) wider. „Mehr als 70 Prozent aller Schulklassen reisen bei uns mit dem Bus an“, berichtete Barbara Mott. Die Projektleiterin für Klassenfahrten beim DJH-Landesverband Rheinland plädierte für erlebnispädagogische Programme, mit denen die soziale Kompetenz von Schülerinnen und Schülern gestärkt wird. 

Besorgte Eltern und Lehrer konnte Jürgen Schaaf mit seinen Erfahrungswerten aus regelmäßigen Autobahnkontrollen beruhigen. Denn entgegen polemischen Schlagzeilen und reißerischen Fernsehreportagen stellt der Hauptkommissar bei Reisebussen nur selten gravierende Mängel fest. „Der Reisebus ist sicher. Und der deutsche Reisebus ist noch sicherer.“ 

Selbst der Vertreter der Bahn plädierte pro Bus, auch wenn er das Motto der Tagung als leichte Provokation empfinden musste. „Wir machen mittlerweile sechs Prozent unserer Klassenfahrten mit dem Bus“, räumte Edgar E. Lemp ein. Für die Wahl des Verkehrsmittels bei Schulausflügen empfahl der Leiter DB Klassenfahrten und Jugendgruppenreisen aus Karlsruhe die Regel: „In die Stadt mit der Bahn, aufs Land mit dem Bus.“

Dr. Witgar Weber freute sich über einen konstruktiven Gedankenaustausch, der auch durch zahlreiche Wortmeldungen aus dem Publikum bereichert wurde. Der WBO-Geschäftsführer ist der Überzeugung, dass Klassenfahrten ein Potential darstellen, das die Busbranche noch längst nicht ausgeschöpft hat. „Denn wir haben großen Nachholbedarf beim Marketing.“

Die Vortragsfolien von Klaus Gerth stehen hier zum Download für Sie zur Verfügung.

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